MTU für Client VPN einstellen

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In Zeiten des Coronavirus wird HomeOffice mit VPN endlich immer beliebter und mehr Firmen lernen hoffentlich, dass Menschen auch gut von zuhause arbeiten können. Aber manchmal scheitert das VPN an eigentlich schon gelösten MTU Probleme. Gerade Menschen hinter einem DS Lite Anschluss und / oder Nutzer eines L2TP/IPSec VPN (im schlimmsten Fall eine Kombination aus beiden) bemerken ein seltsames Verhalten. VPN Verbindung steht, der Zugriff auf manche Dienste geht, auf andere nicht. Hier lohnt sich manchmal doch ein Blick auf die MTU.
Als erstes ist es wichtig, eine funktionierende MTU für die VPN Verbindung herauszufinden. Hierbei kann uns „ping“ helfen. Ping wird angewiesen, Frames mit einer bestimmten Größe und ohne Aufteilung an ein VPN internes Ziel zu schicken. Ist das Frame zu groß, bekommt ping keine Antwort. Sobald ping eine Antwort erhält, haben wir einen potentiell funktionierenden Wert für die neue MTU gefunden.

Windows

ping heise.de -f -n 1 -l 1492
  • -f = Frame nicht fragmentieren
  • -n 1 = Nur ein ICMP echo Frame schicken
  • -l 1492 = Frame Größe

Ein nicht funktionierender Beispieloutput:

C:\Users\Micha>ping heise.de -f -n 1 -l 1492

Pinging heise.de [193.99.144.80] with 1492 bytes of data:
Packet needs to be fragmented but DF set.

Ping statistics for 193.99.144.80:
    Packets: Sent = 1, Received = 0, Lost = 1 (100% loss),

Ein funktionierender Beispieloutput:

C:\Users\Micha>ping heise.de -f -n 1 -l 1432

Pinging heise.de [193.99.144.80] with 1432 bytes of data:
Reply from 193.99.144.80: bytes=1432 time=19ms TTL=246

Ping statistics for 193.99.144.80:
    Packets: Sent = 1, Received = 1, Lost = 0 (0% loss),
Approximate round trip times in milli-seconds:
    Minimum = 19ms, Maximum = 19ms, Average = 19ms

Nun haben wir einen Wert gefunden, in dem Beispiel 1432, und müssen diesen Wert noch für die VPN Verbindung einstellen. Dafür müssen wir erst mal den Namen der VPN Verbindung herausfinden. Folgendes in einer administrativen CMD eingeben:

C:\Users\Micha>netsh interface ipv4 show interfaces

Idx     Met         MTU          State                Name
---  ----------  ----------  ------------  ---------------------------
 69          25        1500  connected     FirmenVPN
 30          25        1500  connected     Ethernet
  1          75  4294967295  connected     Loopback Pseudo-Interface 1
 25          25       65536  connected     Npcap Loopback Adapter
 12          35        1364  disconnected  Ethernet 6
 29          65        1500  disconnected  Bluetooth Network Connection 3

Aus dieser Liste wird der Name der VPN Verbindung gesucht. In diesem Beispiel „FirmenVPN“. Mit folgendem Befehl wird die MTU für das „FirmenVPN“ dauerhaft auf 1432 gesetzt:

netsh interface ipv4 set subinterface "FirmenVPN" mtu=1432 store=persistent

Linux

Da die herangehensweise unter Windows schon ausführlich beschrieben steht, hier nur die Zusammenfassung.
Passende MTU mit ping finden:

~# ping -c 1 heise.de -s 1432
PING heise.de (193.99.144.80) 1432(1460) bytes of data.
1440 bytes from redirector.heise.de (193.99.144.80): icmp_seq=1 ttl=246 time=15.1 ms

--- heise.de ping statistics ---
1 packets transmitted, 1 received, 0% packet loss, time 0ms
rtt min/avg/max/mdev = 15.123/15.123/15.123/0.000 ms
  • -c 1 = Nur ein ICMP echo Frame schicken
  • -s = Frame Größe

MTU einstellen

~# sudo ip link set dev FirmenVPN mtu 1432

Es kann sein, dass die MTU nicht gespeichert wird und bei jedem Start der VPN Verbindung neu gesetzt werden muss. Abhilfe kann hier der NetworkManager schaffen. Entweder lässt sich die VPN Verbindung mithilfe eines Dispatcher Scriptes dazu veranlassen, jedesmall die MTU zu setzen oder nmcli erlaubt das setzen einer MTU Größe für diese Verbindung.
Um per nmcli die MTU setzen zu können, müssen wir erst mal herausfinden, wie der Name für die MTU Konfiguration im NetworkManager heißt. Je nach Art der Verbindung, kann der Name ein anderer sein.

nmcli con show vpn-work | grep -i mtu
802-3-ethernet.mtu:                     auto

MTU anpassen:

nmcli con modify vpn-work 802-3-ethernet.mtu 1432

Sollte es danach immer noch nicht gehen, muss eventuell die TCP MSS angepasst werden. Das geht sehr einfach per iptables. Die folgende Regel passt die TCP MSS automatisch der eingestellten MTU an.

iptables -I FORWARD -p tcp --tcp-flags SYN,RST SYN -j TCPMSS --clamp-mss-to-pmtu

Und der Befehl um die Regel zu löschen

iptables -D FORWARD -p tcp --tcp-flags SYN,RST SYN -j TCPMSS --clamp-mss-to-pmtu

In einigen Fällen brauchte ich eine Anpassung der MTU und TCP MSS um auch wirklich Zugriff auf alle Dienste zu bekommen. Die TCP MSS Regeln lassen sich am besten per NetworkManger Dispatcher Script anwenden. Der NeworkManager bietet keine eigene Konfigurationsmöglichkeit für die TCP MSS.

Fazit

Man könnte meinen, dass mit PathMTU Discovery Probleme dieser Art der Vergangenheit angehören. Doch leider wird es immer noch nicht durchgehend unterstützt. Ich hoffe dem ein oder anderen hiermit wenigstens ein bisschen helfen zu können.

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